31.03.2012
Das ist Politik?
Bericht von der Gemeinderatssitzung am 29. März 2012
Normalerweise wird an dieser Stelle inhaltlich von der Gemeinderatssitzung berichtet. Was ist beschlossen worden? Was ist relevant für die GedersdorferInnen? Die Vorgänge bei der letzten Gemeinderatssitzung waren jedoch so obskur, dass wir ausnahmsweise über das Verlesen der Dringlichkeitsanträge, also über die Zeit vor dem offiziellen Start der Sitzungen, berichten.
Die Tagesordnung Gemeinderatssitzung wird im Vorhinein festgelegt. Die Themen kommen z.B. aus den Ausschüssen, aus dem Vorstand oder direkt vom Land NÖ. Wenn ein Gemeinderat oder eine Fraktion einen Tagesordnungspunkt einbringen möchte, gibt es zwei Möglichkeiten: Mit der Unterschrift von 7 Gemeinderäten oder mit einem Dringlichkeitsantrag, der vor der Sitzung verlesen wird und über den alle Gemeinderäte abstimmen: Ist das wichtig? Wollen wir das in der Sitzung behandeln?
Ein Dringlichkeitsantrag ist nur ein Antrag zur Aufnahme in die Tagesordnung, dabei geht es noch nicht um inhaltliche Dinge (der Gemeinderat könnte den Antrag annehmen und dann noch immer entscheiden, dass es momentan keine Unterstützung für die Bläserklasse geben wird)!
Gemeinderätin Theresa Steininger wurde vor kurzem von der Volksschuldirektorin Elisabeth Zillner kontaktiert. Die Direktorin steht vor einem dringenden Problem: Der Verein Vielfalter, der bis jetzt die Bläserklasse der VS Gedersdorf unterstützt hat, um auch Kindern aus finanzschwachen Familien die Teilnahme am Musikunterricht zu ermöglichen, kann die Volksschule in diesem Jahr nicht mehr unterstützen. Für Frau Zillner ist diese Bläserklasse sehr wichtig, vor allem auch für die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. Seit 3 Jahren gibt es nun mit viel Erfolg die Bläserklasse an der Volksschule. Im kommenden Jahr würden vier Kinder gerne an der Bläserklasse teilnehmen, die das nicht dürfen, wenn es etwas kostet. Um diesen Kindern die Teilnahme zu ermöglichen, müssten € 680,- aufgestellt werden.
Um eine mögliche Unterstützung der Gemeinde für dieses Projekt im Gemeinderat zu besprechen brachte Theresa Steininger einen Dringlichkeitsantrag ein. Der genaue Text steht hier zum Download zur Verfügung. >> Dringlichkeitsantrag März 2012
Wieder steht Parteipolitik im Vordergrund
Obwohl der Bürgermeister im Vorhinein über das Problem informiert war, wurde der Antrag mit einem fadenscheinigen Argument-Hagel abgelehnt („Zu wenig Information als Entscheidungsgrundlage, nicht dringlich genug, …“).
Der Gemeinderat hat es also nicht mal wert gefunden, den Punkt in die Tagesordnung aufzunehmen, also einmal drüber zu reden (an dieser Stelle muss erwähnt werden, dass sowohl SPÖ als auch wir von der LLGG natürlich für den Antrag gestimmt haben und nur die ÖVP dagegen war, bei einer absoluten Mehrheit ist das aber leider trotzdem ein absolutes NEIN.)
Das hat uns sehr entsetzt, da es um ein wichtiges Projekt für unsere Jugend geht, um ein Projekt, das jungen Menschen hilft, unsere Kultur, die Region besser kennen zu lernen und über die Musik eine Verbindung zu ihrer Heimat herzustellen.
Messen mit zweierlei Maß
Was fast noch mehr schockierte, ist der zweite Dringlichkeitsantrag, der danach eingebracht wurde: Der Pfarrer ist am Vorabend der Gemeinderatssitzung zum Bürgermeister gekommen mit einem Werkvertrag über € 22.000,- zur Sanierung der Orgel in der Kirche in Gedersdorf. Es sei dringlich, die Sache jetzt zu beschließen, weil der Pfarrgemeinderat die Orgel gern bis Oktober fertig saniert hätte.
Ein zweites Angebot, das bei so einer hohen Gemeindeausgabe eigentlich dringend notwendig wäre und andere Grundlagen, um eine Entscheidung zu fällen, wurden nicht vorgelegt. Fragen wie: „Ist eine Sanierung wirklich notwendig? Gibt es Alternativen zu einer Sanierung? Wie dringend ist die Sanierung wirklich?“ waren noch nicht geklärt. Die Argumente, die man vorher am runden Tisch im Gemeindeamt Theiß gehört hatte bezüglich der mangelnden Entscheidungsgrundlage und der fehlenden Dringlichkeit hatten hier offensichtlich plötzlich keine Relevanz mehr – Obwohl es um eine viel größere Summe (€ 680,- € vs € 22.000,-) ging, die nicht budgetiert war.
Dieser Antrag vom Bürgermeister Franz Gartner wurde selbstverständlich mehrheitlich angenommen und fand Platz auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung.
Wir finden, es ist an dieser Stelle nicht mehr notwendig, das Geschehene weiter zu kommentieren. Jeder kann sich nun selbst überlegen, ob Gemeindepolitik so ausschauen sollte.
Wir stehen für eine andere Form der Politik. LLGG.


